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Kaufnebenkosten beim Hauskauf – Höhe, Posten und Beispielrechnung

Veröffentlicht
02.09.2026
Lesedauer
7 Minuten
Was kosten Notar, Steuer und Makler? Kaufnebenkosten im Überblick

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Wer eine Immobilie kauft, zahlt mehr als nur den Kaufpreis: Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch und oft die Maklerprovision kommen obendrauf. Diese Kaufnebenkosten machen schnell rund 9 bis 12 Prozent des Kaufpreises aus – Geld, das in der Regel aus Eigenkapital kommen muss. In diesem Überblick zeigen wir, aus welchen Posten sich die Kaufnebenkosten zusammensetzen, wie Sie sie berechnen und womit Sie in Baden-Württemberg konkret rechnen müssen.

Was sind Kaufnebenkosten?

Als Kaufnebenkosten bezeichnet man sämtliche finanziellen Aufwendungen, die zusätzlich zum eigentlichen Kaufpreis der Immobilie anfallen, um den Eigentumsübergang rechtlich und faktisch abzuschließen. Es handelt sich um obligatorische Gebühren, Steuern und Dienstleistungskosten, ohne die ein Immobilienkauf in Deutschland gesetzlich und praktisch nicht vollzogen werden kann. Sie bilden zusammen mit dem Kaufpreis die tatsächlichen Gesamtkosten des Immobilienerwerbs.

Abgrenzung: Einmalige Kaufnebenkosten vs. laufende Nebenkosten: Es ist essenziell, die Kaufnebenkosten strikt von den laufenden Nebenkosten (den sogenannten Betriebskosten) zu trennen.

  • Kaufnebenkosten sind einmalige Kosten. Sie fallen nur im Rahmen des Kaufprozesses an und sind mit der Schlüsselübergabe und der finalen Grundbuchumschreibung in der Regel vollständig beglichen.
  • Laufende Nebenkosten hingegen begleiten Sie als Eigentümer dauerhaft. Dazu zählen Ausgaben wie die jährliche Grundsteuer, Wohngebäudeversicherungen, Strom, Wasser, Heizkosten, Müllabfuhr sowie Instandhaltungsrücklagen. Diese Kosten haben mit dem eigentlichen Erwerbsprozess nichts zu tun, sondern betreffen die spätere Nutzung und Bewirtschaftung der Immobilie.

Warum die Kaufnebenkosten so wichtig für Ihre Finanzierung sind

Die Relevanz der Kaufnebenkosten zeigt sich besonders beim Gespräch mit der Bank. Kreditinstitute finanzieren in der Regel den Gegenwert der Immobilie, also den Kaufpreis (oft abzüglich eines Sicherheitsabschlags). Die Kaufnebenkosten schaffen jedoch keinen physischen oder materiellen Gegenwert, der der Bank als Sicherheit dienen könnte – eine gezahlte Steuer oder eine Notargebühr lässt sich bei einer Zwangsversteigerung nicht liquidieren.

Daher fordern Banken fast ausnahmslos, dass die Kaufnebenkosten aus dem eigenen Eigenkapital gedeckt werden. Eine 100-Prozent-Finanzierung bezieht sich in der Bankensprache auf den Kaufpreis; die Nebenkosten müssen Sie selbst mitbringen. Wer dieses Kapital nicht flüssig hat, muss eine teure 110-Prozent-Finanzierung anfragen, die oft mit massiven Zinsaufschlägen verbunden ist. Eine exakte Kalkulation im Vorfeld schützt Sie also vor bösen Überraschungen und sichert Ihnen deutlich bessere Kreditkonditionen.

Wie hoch sind die Kaufnebenkosten?

Um ein erstes Gefühl für das benötigte Eigenkapital zu bekommen, arbeiten Experten und Banken mit bewährten Richtwerten.

Die Faustformel für Ihre Planung

Wenn Sie eine Immobilie in Baden-Württemberg erwerben, können Sie als Faustformel mit Kaufnebenkosten in Höhe von ca. 9 bis 12 Prozent des Kaufpreises rechnen. Diese Spanne ergibt sich in erster Linie daraus, ob ein Makler involviert ist oder nicht.

Zur besseren Einordnung finden Sie hier eine detaillierte Übersicht der typischen Posten und ihrer prozentualen Anteile:

  • Grunderwerbsteuer: 5,0 % (spezifisch für Baden-Württemberg)
  • Notarkosten: ca. 1,0 bis 1,5 %
  • Grundbuchkosten: ca. 0,5 %
  • Maklerprovision: 3,57 % (inkl. MwSt., bei hälftiger Teilung)

Gesamtsumme (ohne Makler): ca. 6,5 bis 7,0 %; Gesamtsumme (mit Makler): ca. 10,0 bis 10,6 %

Hinweis zu regionalen Unterschieden: Bitte beachten Sie, dass die Höhe der Kaufnebenkosten in Deutschland nicht einheitlich ist. Während die Gebühren für Notar und Grundbuch bundesweit durch das Gerichts- und Notarkostengesetz (GNotKG) einheitlich geregelt sind, ist die Grunderwerbsteuer Ländersache. In Bayern oder Sachsen zahlen Käufer beispielsweise nur 3,5 Prozent, in Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen oder Schleswig-Holstein werden hingegen stolze 6,5 Prozent fällig. Auch die Maklerprovision kann je nach Bundesland und individueller vertraglicher Vereinbarung leicht abweichen, wenngleich sich die hälftige Teilung (je 3,57 % für Käufer und Verkäufer) seit der Gesetzesänderung 2020 als Standard etabliert hat.

Die Kaufnebenkosten in die Planung der Kosten für einen Immobilienkauf einplanen

Die einzelnen Posten im Überblick

Grunderwerbsteuer

  • In Baden-Württemberg 5,0 % des Kaufpreises
  • Interner Link: Grunderwerbsteuer Baden-Württemberg

Notar- und Grundbuchkosten

  • Ca. 1,5–2 % zusammen; Notar Pflicht beim Immobilienkauf
  • Interner Link: Notarkosten beim Hausverkauf

Maklerprovision

  • Marktüblich 3,57 % inkl. MwSt., seit 2020 meist geteilt#
  • Interner Link: Maklerprovision beim Hausverkauf (nach Go-live)

Ggf. Finanzierungsnebenkosten

  • Kurz: Bereitstellungszinsen, Grundschuldbestellung (nur anteasern)

Um die Kostenstruktur besser zu verstehen, lohnt sich ein detaillierter Blick auf die einzelnen Positionen, aus denen sich die Nebenkosten zusammensetzen.

Grunderwerbsteuer

Der größte Posten bei den Kaufnebenkosten ist in der Regel die Grunderwerbsteuer. Sie wird vom zuständigen Finanzamt erhoben, sobald der Kaufvertrag rechtskräftig unterschrieben ist. In Baden-Württemberg liegt der Steuersatz aktuell bei 5,0 Prozent des vertraglich vereinbarten Kaufpreises. Erst wenn Sie diese Steuer vollständig beglichen haben, stellt das Finanzamt die sogenannte Unbedenklichkeitsbescheinigung aus. Diese Bescheinigung ist zwingend erforderlich, damit der Notar Sie als neuen Eigentümer in das Grundbuch eintragen lassen kann. Ohne die Zahlung der Steuer gibt es also keinen Eigentumsübergang. Mehr Informationen zur regionalen Steuerlast finden Sie hier: Grunderwerbsteuer Baden-Württemberg.

Notar- und Grundbuchkosten

Ein Immobilienkauf per Handschlag ist in Deutschland nicht rechtskräftig. Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) schreibt vor, dass jeder Grundstückskaufvertrag notariell beurkundet werden muss. Der Notar fungiert als neutrale Instanz, berät beide Parteien rechtlich, setzt den Kaufvertrag auf und überwacht den gesamten Abwicklungsprozess bis hin zur Eigentumsumschreibung. Zusammen mit den Gebühren für das Grundbuchamt (Eintragung der Auflassungsvormerkung, Löschung alter Rechte, finale Eintragung als Eigentümer) belaufen sich diese Kosten auf ca. 1,5 bis 2,0 Prozent des Kaufpreises.

Die genaue Höhe richtet sich degressiv nach der Höhe des Kaufpreises – bei teureren Immobilien sinkt der prozentuale Anteil leicht. Weitere Details zu den Aufgaben und Gebühren des Notars lesen Sie in unserem Detailartikel Notarkosten beim Hausverkauf.

Maklerprovision

Ein erfahrener Immobilienmakler nimmt Ihnen bei der Suche, der Verhandlung, der Prüfung der Objektunterlagen und der Abwicklung enorm viel Arbeit und Risiko ab. Für diese Dienstleistung wird eine Maklercourtage fällig. Seit der Einführung des neuen Maklergesetzes Ende 2020 gilt beim Verkauf von Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen an Privatpersonen das Prinzip der Kostenteilung.

Die Gesamtprovision wird meist hälftig zwischen Verkäufer und Käufer geteilt. Marktüblich ist dabei ein Käuferanteil von 3,57 Prozent inklusive der gesetzlichen Mehrwertsteuer (ausgehend von 3 % netto). Die Provision ist in der Regel nach erfolgreichem Abschluss des notariellen Kaufvertrags fällig.

Ausführliche Hintergründe zur Gesetzeslage und Courtage finden Sie auf unserem Detailartikel Maklerprovision beim Hausverkauf.

Finanzierungsnebenkosten

Neben den klassischen Erwerbskosten vergessen viele Käufer die Nebenkosten der Finanzierung. Diese tauchen nicht direkt im Kaufvertrag auf, belasten aber das Budget. Hierzu gehören insbesondere die Grundschuldbestellung.

Banken verlangen zur Absicherung ihres Darlehens die Eintragung einer Grundschuld ins Grundbuch. Auch dies muss über den Notar laufen und kostet zusätzliche Gebühren (häufig nochmal ca. 0,5 bis 0,8 % der Darlehenssumme). Zudem sollten Sie Bereitstellungszinsen einplanen und im Blick behalten: Wenn sich die Auszahlung des Darlehens verzögert – etwa weil die Immobilie noch nicht geräumt ist oder bei einem Neubau in Raten gezahlt wird – verlangen Banken nach einer bestimmten tilgungsfreien Zeit Zinsen für die Bereitstellung des Geldes.

Kaufnebenkosten: So berechnen Sie sie

Graue Theorie wird am besten durch nackte Zahlen verständlich. Um die finanzielle Belastung greifbar zu machen, schauen wir uns eine konkrete Rechnung an einem regionalen Beispiel an.

Nehmen wir an, Sie erwerben ein freistehendes Einfamilienhaus im Großraum Ludwigsburg, beispielsweise in Bietigheim-Bissingen. Das Objekt befindet sich in einer gefragten Lage und wechselt für einen realistischen Marktpreis von 800.000 Euro den Besitzer. Sie erwerben die Immobilie über einen professionellen Immobilienmakler.

So setzen sich die Kaufnebenkosten für dieses Objekt zusammen:

  • Kaufpreis der Immobilie: 800.000 €
  • Grunderwerbsteuer (5,0 %): 40.000 €
  • Notar- und Grundbuchkosten (ca. 2,0 %): 16.000 €
  • Maklerprovision (3,57 % inkl. MwSt.): 28.560 €
  • Summe der Kaufnebenkosten: 84.560 €
  • Gesamtkosten für den Käufer: 884.560 €

An diesem Beispiel wird deutlich, warum Banken Eigenkapital fordern. Sie benötigen in diesem Szenario rund 85.000 Euro an liquiden Mitteln, nur um die Nebenkosten zu decken, bevor Sie auch nur einen Euro in die eigentliche Tilgung des Hauses oder in eine eventuell nötige Renovierung und neue Möbel gesteckt haben. Wer das Thema "Kaufnebenkosten berechnen" ernst nimmt, erlebt beim Bankgespräch keine Enttäuschung.

Kaufnebenkosten in Baden-Württemberg

Wer sich auf dem süddeutschen Immobilienmarkt bewegt, profitiert von einer starken Wirtschaft und einer exzellenten Infrastruktur. Dies spiegelt sich jedoch auch im Preisniveau wider. Wenn wir über die Kaufnebenkosten in Baden-Württemberg sprechen, ist der Steuersatz von 5,0 Prozent Grunderwerbsteuer der zentrale regionale Kostentreiber, den man im Bundesvergleich im Mittelfeld verorten kann (günstiger als NRW, teurer als Bayern).

Die wahre Herausforderung in Baden-Württemberg liegt jedoch in der Kombination aus diesem Steuersatz und den hohen absoluten Immobilienpreisen in den Ballungsräumen. Ein Haus in der Metropolregion Stuttgart oder im Landkreis Ludwigsburg kostet deutlich mehr als vergleichbare Objekte in strukturschwächeren Regionen Deutschlands. Da sich alle Nebenkosten prozentual aus dem Kaufpreis errechnen, schnellen die Nebenkosten in absoluten Euro-Beträgen rasch in die Höhe.

Eine genaue Einordnung der regionalen Preisentwicklung und der daraus resultierenden Kostenbelastung finden Sie in unserer Übersicht der aktuellen Marktdaten: Immobilienpreise Ludwigsburg

Wer trägt die Kaufnebenkosten – und was heißt das für Verkäufer?

Es ist ein ungeschriebenes (und teilweise gesetzlich verankertes) Gesetz des deutschen Immobilienmarktes: Grundsätzlich zahlt der Käufer die Kaufnebenkosten. Er ist derjenige, der die Grunderwerbsteuer abführen muss, er ist es, der den Notar in der Regel auswählt und beauftragt, und er trägt seinen Anteil an der Maklercourtage. Der Verkäufer zahlt lediglich seinen Teil der Maklerprovision (3,57 %) und eventuell geringe Gebühren für die Löschung eigener, alter Grundschulden im Grundbuch.

Warum ist dieses Wissen dann überhaupt für Verkäufer relevant?

Der Zusammenhang ist psychologisch wie wirtschaftlich immens wichtig. Wenn Sie als Eigentümer Ihre Immobilie veräußern möchten, dürfen Sie den Markt nicht isoliert betrachten. Käufer kalkulieren nie nur mit Ihrem Angebotspreis, sondern stets mit ihrem Gesamtbudget inklusive Nebenkosten.

Wenn ein Kaufinteressent eine Finanzierungszusage über maximal 800.000 Euro von seiner Bank hat, bedeutet das nicht, dass er Ihr Haus für 800.000 Euro kaufen kann. Wenn knapp 10 Prozent Nebenkosten anfallen, liegt die tatsächliche Schmerzgrenze des Käufers für den reinen Immobilienpreis eher bei rund 720.000 bis 730.000 Euro.

Die Kaufnebenkosten beeinflussen somit direkt die Zahlungsbereitschaft Ihrer potenziellen Zielgruppe. Ein zu hoch angesetzter Angebotspreis, der die Nebenkostenlast der Käufer ignoriert, führt unweigerlich zu langen Vermarktungszeiten, geplatzten Notarterminen (weil die Bank im letzten Moment ablehnt) und letztlich oft zu schmerzhaften Preisreduktionen. Eine professionelle Preisfindung berücksichtigt daher immer die Käuferperspektive und die regionalen Nebenkosten, um einen marktgerechten und finanzierbaren Preis festzulegen.

Fazit

Die Kaufnebenkosten sind beim Hauskauf keine bloße Randnotiz, sondern ein massiver Kostenblock, der die Finanzierbarkeit eines Immobilienprojekts entscheidend prägt. Sie setzen sich im Wesentlichen aus der Grunderwerbsteuer, den Notar- und Grundbuchkosten sowie der Maklerprovision zusammen. In Baden-Württemberg sollten Käufer mit der bewährten Faustformel von 9 bis 12 Prozent des Kaufpreises kalkulieren. Wie unsere Beispielrechnung zeigt, summieren sich diese Prozentpunkte bei regional typischen Kaufpreisen schnell auf Beträge im hohen fünfstelligen Bereich. Da diese Summen meist komplett aus Eigenkapital finanziert werden müssen, ist eine frühzeitige und schonungslose Kalkulation unerlässlich.

Gleichzeitig sind die Nebenkosten ein strategischer Faktor für Verkäufer. Nur wer versteht, welche finanzielle Gesamtlast der Käufer stemmen muss, kann den Wert seiner Immobilie am Markt richtig positionieren.

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